Die Zitrone

Nach einem langen Arbeitstag fuhr ich in den Laden um mir einen Beutel Zitronen zu kaufen. Die Schiebetür des kleinen Obst und Gemüse Händlers ging auf. Überwältigt von der großen Auswahl und dem Duft betrat ich die Halle. An dem Gemüse vorbei, sah ich von weitem die Zitrusfrüchte. Schnell ging ich darauf zu. Ich griff nach einem Netz und schaute mir die Zitrone genauer an.

Gut sahen sie aus. Ich fühlte die Schale. Langsam streichelte ich die Oberfläche. Daraufhin führte ich meine Fingerkuppen in Richtung Nase. Tief Luft holen. Doch ich konnte nichts riechen. Mit meinen Fingerspitzen drückte ich die Zitrone leicht zusammen. Ein Gefühl sagte mir sie hätte Spaß daran, wenn ich sie leicht quetsche und zusammen drücke. Ich glaubte ein zufriedenes lächeln auf der Schale zu erkennen. Nimm mich, flüsterte sie. Verwundert schaute ich mich um. Soll mir Recht sein, denn ich will die Zitrone auch. Ich nahm sie und roch daran. Wieder nichts. Kein Geruch. Also nahm ich das Netz mit der Zitrone und ging zu Kasse. „Schöne Zitronen haben Sie da.“, sagte der Verkäufer. „O-Ja.“, seufzte ich zufrieden. In Gedanken versunken schlenderte ich nach Hause. Was kann ich wohl alles mit der qualitativen Zitrone anstellen?
Als ich in meiner Wohnung ankam, bereite ich mich vor. Das Messer war sauber, das Schneidebrett auch. Ich öffnete das Netz und holte mir eine prächtige Zitrone hinaus. Ich fühlte sie. Drückte sie leicht. Rollte sie gefühlvoll auf dem Brett hin und her. Der Widerstand war gering. Dann setzte ich das Messer an und halbierte sie. Danach suchte ich meine Lieblingstasse; diese eine, mit dem Hund und der Katze drauf. Ich nahm beide Zitronenhälften und quetschte den Inhalt verantwortungsbewusst in die Tasse. Bis zum letzten Tropfen. Während ich den Inhalt inhalierte, kochte das zuvor aufgesetzte Wasser. Nach drei Minuten goss ich das kochende Wasser in die Tasse. Das Geräusch werde ich so schnell nicht vergessen. Ein leichtes Sprudeln war zu hören. Nach weiteren fünf Minuten war das Getränk bereit. Ich nahm die Tasse und nippte daran. Da schoss es mir durch den Kopf. Die ganze Energie aus der kraftvollen Frucht. Meine Muskulatur im Gesicht verzog sich leicht. Ein Zeichen für die hervorragende Qualität. Ich lächelte.

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