Folge deinem Herzen

In jedem Leben erreichen wir einen Punkt, an dem wir uns fragen, ob wir in der richtigen Spur sind. Einige von uns fliegen einfach drauf los. Ihr Ziel ist das große Geld und sie merken erst später, dass es sie nicht glücklich macht. Gepeitscht von den Lifestyle Magazinen und Medien folgen sie der Spur zum Erfolg. Die große Karriere.

Daran ist natürlich überhaupt nichts auszusetzen. Die Zeiten des geradlinigen Lebensläufe sind vorbei. In Zeiten wo jeder in der Theorie alles tun könnte, fallen Entscheidungen zu treffen recht schwer. Einige haben den Ansatz schnell zu entscheiden. Denn Entscheidungen kann man jederzeit wieder relativieren und zurücknehmen. Sich anpassen und nachjustieren. Wie ein Produkt, dass durch viele Iterationen geht, bis es perfekt ist.

Bei mir war es jedoch anders. Mein Leben ging sehr früh in eine Richtung des Mediengestalters. Als Jugendlicher habe ich angefangen als Hobby Webseite zu programmieren. Es folgte ein Praktium in dem Bereich, plus anschließender Ausbildung als Kaufmann für Marketingkommunikation. Mir war es egal, was ich gelernt hatte. Denn ich wusste, als Webdesigner brauche ich keine Bildung. Und die Kaufmann-Ausbildung ist ein Nice-To-have. Zahlen waren nie mein Ding. Aber das Wissen ums Marketing ist noch immer super informativ. Auch wenn ich den Beruf mittlerweile verachte. Genau hier liegt der Punkt. Doch mein frühen Einstieg in diese Medienbranche verlor ich recht früh die Affinität. Ich wurde Werbeimmun. Gelernt USPs zu finden und Versprechen zu verkaufen, die es nicht gibt, haben mich abstumpfen lassen. Die ganze Magie war hinüber. Nun arbeite ich seit fast 5 Jahren als professioneller Webdesigner und ich fühle mich schon so verbraucht.

Meine größte Schwäche in meinem Beruf ist die Detail Verliebtheit. Meine Kollegen sind da anders. Sie achten auf Abstände und das alles perfekt und cool ist. Ihre Leidenschaft teile ich nicht. Mir ist es mittlerweile egal, hauptsache es klappt. Wieso? Weil ich das Nutzerverhalten aus der Marketingsicht kenne. Diese Vorbildung hat mein Beruf ein wenig zerstört. Nutzer geben einen Scheiß drauf, wie etwas aussieht. Sie schauen sich die Bilder an, lesen kurze Texte und sind dann auch schon wieder weg. So schnell lebig ist unsere Welt. Wir verbringen mehr Zeit bei der Gestaltung und Programmierung von Webseiten, als Nutzer es tatsächlich nutzen.

Anders sieht es beim E-Commerce aus. Dort geht es um das Optimieren der Bedienelemente. Ziel ist es intuitiv mehr Kunden schneller zum Bestellen zu bringen. Subtil selbstverständlich. Was ich damit sagen möchte ist, dass der Zeitpunkt gekommen ist um zu denken.

Marketing hat meine Ansicht auf das Leben kaputt gemacht. Desillusioniert. Mittlerweile hätte ich das Know-How von sämtlichen Instrumenten, von Social Media über Webdesign, Design, Anzeigenschaltung, Konzeption, Teammanagement, dass ich mich eigentlich trauen könnte etwas Eigenes zu starten. Mit ein mehr Bildung in der Finanzwelt könnte ich an diesem Punkt selber Gründen oder mich selbstständig machen. Ich glaube viele in meinem Alter träumen davon. Endlich sein eigener Chef zu sein. Zugegeben, ich auch ein wenig. Aber nicht in der Richtung. Auf keinen fall möchte eine Agentur oder ein kleines Internet Startup gründen. Auch wenn meine Meinung hart erscheinen mag, diese Leute wollen a) schnelles Geld (nicht so meins) oder b) die Welt verändern. Letzteres möchte ich auch, aber dafür muss ich kein Produkt auf den Markt schmeißen. Wie bereits erwähnt, ist es nur meine Meinung und ich verstehe auch die Leute, die es anders sehen und die Welt durch Innovation verbessern wollen. Wenn du mich fragst, ist der Verzicht ein großer Bestandteil um die Welt zu verbessern.

Das was ich wirklich möchte ist es für Andere da zu sein. Den Jenigen zu helfen, die eigentlich nur abgezogen werden ohne das sie es wissen. Spaß, so krass ist es natürlich nicht. Trotzdem mein Herz schreit nach einer neuen Richtung.

Helfen kann die Kunst. Unter anderem die Musik. Das tun auch viele. Doch ich würde gerne bei den Menschen mit anpacken. Anstelle mein Ideen in Musik zu verwandeln und die Leute damit zu berühren. Es gibt so viele großartige Künstler, die mit ihrer Kunst den Leuten helfen. Doch keiner braucht mich als Ergänzung. Es schwimmen bereits sehr viele Fische in dem Kunstpool, sodass man meinen mag, dass es bald keiner mehr gibt der die Fische genießt, da jeder beschäftigt sein wird in der Pool zu springen.

BWL und die anderen Konsorten sagen mir gar nicht zu. Damit habe ich einfach keine Verbindung. Ich empfinde nichts dabei. Mit den Händen arbeiten, darin war ich nie gut. Doch schätze ich die Handwerklichen Berufe sehr. Mit Menschen arbeiten. Sie betreuen, pflegen und als Mediator vermitteln. Direkt vor Ort da sein. Oder dafür kämpfen, dass es die noch „Randgruppen“ vollständig in die Gesellschaft inkludiert werden. Nicht etwa integriert, sondern inkludiert. Das kann ich mir gut vorstellen. Als Frontend-Entwickler habe ich zwischen Backend’ler und Produktmanager vermittelt in einem StartUp vermittelt. Jede Partei stritten sich wie Hund, Katz und Maus. Eigentlich waren sie aber im gleichem Team, doch irgendwie hatten sie unterschiedliche interne Ziele. So wie es bei jedem Konflikt ist. Genau hier liegt meine Stärke. Backend’ler wollten genaue Vorgaben und nahmen jedes Wort genau unter die Lupe, während Produktmanager, gelernt haben -> schnelle Iterationen. Nichts durchdenken, sondern schnell anpassen. Beide Parteien kamen sich regelmäßig in die Haare. Einige Frontend-Kollegen sind da ähnlich. Doch der wahre Erfolg liegt in der Kooperation. Nicht auf der Tätigkeit selbst. In einem Unternehmen habe ich das für mich entdeckt. Ich liebe es der Kleber zu sein oder das Öl im Zahnrad. Was ich nicht mochte war die tatsächliche Arbeit.

Zum Glück ist es nie zu spät. Wenn du unglücklich bist, ändere etwas. Es gibt zahlreiche Artikel darüber. „Finde dein Glück“ und wie sie nicht alle heißen. Viele schlaue Menschen zerbrechen sich an der magischen Formel „Glück“ den Kopf. Zeit für mich, die Reise nach meinem Glück anzutreten. Mein bisheriger Tipp ist: Denke über dich nach. Stelle deinen Weg in Frage. Doch gehe nicht depressiv durch das Leben, sondern lerne aus deinen Entscheidungen. Ich kann jedem empfehlen regelmäßig über seine „Werte“ nachzudenken.

Bei mir war es die Marketing-Ausbildung, die mir jegliche Motivation in der Wirtschaft zu arbeiten, zu Nichte machte. Ich bereue aber nichts. Es war keine Zeitverschwendung. Nein, es war genau richtig so. Das ist wichtig. Es gibt keine Fehler da draußen. Vielleicht Mord…
Doch das ist nicht das Ende, denn ich entdeckte meine neuen Skills. Aus meinem Freundeskreis, weiß ich, dass das Thema sehr populär ist. Viele beginnen darüber nachzudenken. Ich kann also jedem nur raten: Niemals aufgeben, nehmt euch die Zeit und denkt auch mal nach. 🙂 Viel wichtiger ist jedoch, es ist egal was sie euch sagen. Hört nur auf Euer Herz. Ob ihr ein Überflieger sein wollt oder auf dem Teppich bleibt. Ob ihr reich sein wollt, oder glücklich. Es ist euer Leben. Ganz alleine euers. Nicht das Leben Eurer Freunde und Verwanden. Ihr tut es für Euch. Ich habe mich mal gefragt, wieso es allen ums Geld geht. Bisher ist meine Vermutung, dass der Traum vom Reichtum daher rührt, dass wir Anerkennung von Anderen wollen. Aber vielleicht schaffen wir das auch ohne.

Wenn ich jedem Menschen davor bewahren könnte, Reich zu werden, weil es ihm an Anerkennung fehlt…

Derzeit habe ich das Problem, dass meine Freunde denken, ich hätte in dem Bereich keine Zukunft. Es gibt kaum Berufschancen. Und das große Geld werde ich damit wohl nie bekommen. Doch ich weiß, dass sich der Shitstorm legen wird. Sie werden schon aufgeben und es akzeptieren. Denn Freunde unterstützen, egal wie ich mich entscheide. Sonst sind es keine Freunde. Und auf die Leute kann ich mit einem lächeln verzichten. Ich entscheide mich für das Soziales, nicht für die Wirtschaft. Wer weiß was die Zukunft bringt. Das werden meine Freunde verstehen.

Wie gehts also weiter? Die Motivation etwas zu ändern, ist nicht mehr brechbar. Die nächsten Schritte sind, einen Praktikumsplatz zu finden. Die aktuelle Lage sieht gut aus. Parallel werde ich mich um ein WG-Zimmer kümmern. Denn dann heißt es für eine Zeit Ausgaben verringern. Bei der Miete sparen ist dabei essentiell wichtig.

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