Das hyperaktive Kind aus der U-Bahn

Ich nahm die U-Bahn nach Hause. Eine Station später stieg eine Frau mit zwei Kindern ein. Die beiden Jungen waren ziemlich aufgeweckt und voller Energie. Es schien der Frau sichtlich schwer, die Beiden einiger Maßen unter Kontrolle zu halten.

Sie setzten sich neben mich. Die Mutter in der Mitte und links und rechts die beiden Jungen.
Einer der Beiden wollte nicht sitzen bleiben und nutzte die Haltestange als Turngerät. Sie versuchte den Jungen zur Vernunft zu bringen und brüllte ihn an. Da rastete der Junge aus und rannte die durchgängige Bahn herunter. Die Mutter sprang auf und versuchte ihren Jungen zurück zu holen. Keine paar Meter war sie gelaufen, sprang ihr zweiter Sohn auf und lief in die gegengesetzte Richtung. Neben mir lagen ihre Taschen. Schnell zweifelte der zweite Junge. Er kam nur ein paar Meter drehte sich um und lief wieder zurück zu den Sachen. Eine Station verging. Der entflohene Sohn ist nach einem Fluchtversuch aus der Bahn wieder eingefangen worden.

Die Mutter schimpfte diesmal sehr milde und sagte: „ich behandele dich nicht wie andere Mütter und halte dich nicht immer an der Hand. Du hast deine Freiheiten, dafür möchte ich Dir vertrauen. Ich kann dich nicht kontrollieren, dafür hast du nicht das Temperament. Ich auch nicht.“
Schließlich saß der Junge wieder neben mir. Die Mutter holte ein Buch raus. Die Kinder stöhnten. „Das Buch kenne wir schon.“ Doch die Mutter lies sich davon nicht abbringen und konterte salopp, dass es sich um eine Fortsetzung von Wini Puh handele. „Und diese kennen wir noch nicht. Ich möchte wissen wie es weiter geht. Ihr doch bestimmt auch!“ Den Kindern fiel das zuhören sichtlich schwer.

Ich hörte eine Weile dem Anfang der Geschichte zu, da ich noch nie wirklich Wini Puh gesehen oder gelesen hatte und auch interessiert war was dort alles passiert. Doch schnell langweilte mich die Frau, mit ihrer lieblosen Stimme.

Um mich abzulenken holte ich mein Handy aus der Hosentasche und startete ein Spiel.
Damit erregte ich die Aufmerksamkeit des Jungen neben mir. Der aufgeweckte Junge schaute mir in die Augen und war ruhig. Er sagte kein Ton, keine Spur von der zuvor gezeigte frechen Art. Still saß er neben mir.

Er schaute auf das Display und beobachtete mich, wie ich das Spiel spielte. Neben ihr die Mutter die völlig im Wahn ihr Buch gelesen hatte. Sie hatte es nicht mitbekommen, dass eigentlich keines ihrer Kinder zu hörte und stattdessen andere Bahnfahrer der Frau böse Blicke zu warfen, weil sie sich von dem Vorlesen gestört fühlten.

Der Junge neben mir lehnte langsam seinen Kopf gegen meine Schulter. Tiefen entspannt. Nach einer Weile war es mir zu unangenehm, da die Mutter sich sichtlich Mühe gab. Ich hörte also auf mit dem Spiel und schaute ihn an. Mit einem Gesichtsausdruck, versuchte ich ihm zu vermitteln, dass es mir Leid tut, aber ich aufhöre. Ohne etwas zu sagen, zog er die Mundwinkel nach unten. Dann legte er sein Kopf auf meine Beine und streifte immer wieder mit seiner Stirn auf meinem Oberschenkel.

Das bemerkte die Mutter und schimpfte. „Lass den Mann in Ruhe.“ Er schaute mich an, dann wendete er seinen Blick ab und widmete sich ruhig seiner Mutter und hörte zu wie sie das Buch lies. Dabei lehnte er sich auf ihr und schloss ruhig die Augen.

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