Laufen, Laufen und Laufen

Es war früh und ich öffnete meine Augen, starrte die Decke und seufzte. Heute oder nie, dachte ich mir. Ich rollte mich vorsichtig auf die Seite vom Bett und lies meine Beine von der Bettkante baumeln. Langsam richtete ich meinen Oberkörper auf und blieb ruhig sitzen. Mein Gehirn began seine Arbeit und startete motorische Vorgänge. Ich trotete in die Küche und machte mir, wie jeden Morgen, ein schönes Frühstück bestehend aus Haferflocken. Dabei wiederholte ich immer wieder die Worte: „Heute mache ich es wirklich. Ich geh joggen.“ Mit der Schüssel Flocken setzte mich vor dem Laptop und suchte nach Tipps und Tricks. „Laufen für die Anfänger“ – toll. Ein kerniger Mann erklärte mir in einem Video, dass Mann/Frau 3 Minuten Laufen – 1 Minute gehen sollte, das 6 Mal wiederholen und gut ist. Großartig. Nachdem Frühstück und dem üblichen Frisch machen, startete ich also.

Ich suchte mir Lauf-Klamotten heraus. Mein Puls schlug schneller. Immer mit dem Gedanken, nun tue ich es doch. Jetzt kann mich nichts mehr aufhalten. Ich habe schließlich schon die Trainingshose in der Hand. Siehe da noch eine lange Unterhose, Laufschuhe aus alten Tagen plus Hoodie. Ich war sogar Überrascht von mir selber, wie schnell ich die Sachen fürs Laufen beisammen hatte.

9 Uhr – dann fange ich. Mein Ziel eine Halbe Stunde laufen. Die Route wird spontan entschieden. Mein einziger Schlachtplan überleben. Während ich mich umzog und die Schuhe festzog hörte ich den Soundtrack zu Rocky. Verrückt, wie sehr Musik puschen kann. Ich war voller Adrenalin. Dabei hatte ich noch nichts getan, nur die Sportklamotten an gehabt. Voller Adrenalin, von dem Gedanken, gleich auf die Straße zu gehen und zu laufen. Zur der Rocky Musik stretchte ich mich im Wohnzimmer. Streckte meine Arme und beugte mich herunter zum Boden.

Gleich ist es soweit. 8:57 Uhr. 3 Minuten und es geht los. Ich atmete tief ein. Mein Herz schlug schnell, mein Puls war leicht erhöht und mein Gehirn angeregt. 1 Minute. Den Schlüssel vom Bund gerissen und lose in den Hoody gesteckt. 30 Sekunden und ich habe die Wohnungstür hinter mir geschlossen. Abgeschlossen. Dann bin ich cool die Treppen hinunter gelaufen. Jetzt tue ich es wirklich. Kein zurück. Genau jetzt müssen hier Touristen vor der Haustür lang laufen.

Wie beginnt man wohl das Laufen. Ein Schritt, zwei Schritte und der Motor war an. Leicht hüpfte ich den Gehweg entlang. An den Touristen vorbei, die sicher beeindruckt von meinem Outfit waren. Mit dem Kapuzenpulli über dem Kopf, sah ich in der Tat wie ein Rocky Protagonist, der für sein Comeback trainiert.

Laufen. Minute um Minute. Nach gefühlten 10 Minuten habe ich eine kleine Gehpause eingelegt. Ein bisschen geschämt habe ich mich schon, aber es war nicht lange. Vielleicht eine halbe Minute. Dann ging es weiter. Durch die Straße auf den Weg zum Kanal. Die morgendliche Sonne schien auf den leicht naßen Bürgersteig.

Meine Runde war ganz schön, keine Schmerzen in den Beinen. Generell lief es erstaunlich gut. Selten kam ich aus der Puste. Dann machte ich frecherweise ein paar Sekunden Gehpause und weiter ging es.

Es war ganz cool, meine Gedanken waren ganz beim Laufen und bei der Wahl der Route. Fokussiert, keine abschweifenden Gedanken. Ich spürte wie mein Kreislauf in Schwung kam und mein Kopf arbeitete. Nach einer Weile plante ich meine Rückroute. Die letzten Meter waren die Besten. Als ich in meine Straße eingebogen war und in der Ferne schon den Döner Laden neben dem Hauseingang sah, gab mein Körper noch einmal alles.

Völlig ausgepowert, aber mit einem sehr gutem Gefühl ging ich die Treppen hoch und direkt unter die Dusche.
Laufen war doch nicht so Scheiße, wie ich immer dachte.

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