Probearbeiten im Kindergarten

Im Leben Abwechslung haben. Eine Zutat die mir auf jeden Fall gut tut. Aus diesem Grund habe ich an einen Urlaubstag damit verbracht in einem Kindergarten zu arbeiten. Natürlich nicht einfach so, viel mehr als eine in Vorbereitung eine größere Lebensumstellung. Raus aus dem alten Job und nach neuen Möglichkeiten umsehen. Seit langer Zeit schiebe ich Veränderungen in meinem Leben vor mir her. Doch endlich wurde ich aktiv und habe begonnen es zu verändern. Ich habe es schon in der Vergangenheit geschrieben, dass ich mich gerne Beruflich umorientieren möchte. Mir schwebt ein Beruf mit Menschen vor. Zu mindestens war das meine Vorstellung, da ich bisher immer am Computer gearbeitet habe. Um meinem Ziel näher zu kommen, habe ich mich bei einem Kindergarten für ein dreiwöchiges Praktikum beworben. Das dient gleichzeitig einem Vorpraktikum, dass leider für viele Soziale Studiengänge erforderlich ist. Es ist bei mir ein großes Thema und ich es hängt einiges an der Entscheidung. Darum konnte ich heute einen Einblick in die Arbeit der Erziehers werfen. Quasi ein Praktikum vor dem Vorpraktikum. Eines Vorweg: es war toll.

Mein Tagesablauf im Kindergarten

Um 7:30 Uhr begann mein Tag in der Kita. Ein paar Kinder waren schon da und spielten auf dem Boden mit Spielzeug. Ich setzte mich auf die Couch und plauderte mit der Chefin, während wir Kaffee und Tee tranken. Auf die Frage was meine Erwartungen an den heutigen Tag waren, sagte ich, dass ich keine hätte und ich mich überraschen lassen wollte. Doch die Wahrheit war, dass ich für mich herausfinden wollte, ob mir der Beruf liegt oder eben nicht. Total nüchtern, unabhängig von Bezahlung und Karrierechancen. Sondern schlicht nach dem Motto, macht die Arbeit mir Spaß und bin ich dafür geeignet. Mein Fazit kommt natürlich erst am Ende. Erst möchte ich gerne den Tag schildern.

Am Morgen können die Kinder eine Stunde lang frei spielen. In der Zeit treffen alle Kinder ein. Ich saß auf der Couch und beobachtete das bunte treiben der 8 Kinder. Die Truppe war bunt gemischt, das Alter und die Herkunft war unterschiedlich. Während ich sie beim Spielen beobachtete, kam ich ins grübeln was nun eigentlich meine Aufgaben ist. Gehört es dazu, dass ich mich mit den Kindern beschäftige? Oder passe ich nur auf und gehe dazwischen? Plötzlich stand auch schon ein Kind vor mir und nahm mir diese Entscheidung ab. Es sagte mir, dass es heute Mittagskind sei während er meine lockigen Haare steichelte. Ich war überrascht über den schnellen Kontakt zum Jungen und es war mir auch irgendwie unangenehm. Was wenn das Jemand sieht, dachte ich. Die denken doch, ich will dem Jungen an die Wäsche, schämte ich mich. Bis ich wirklich verstanden habe, dass es dazu gehört und nichts schlimmes dabei ist. Es sogar notwendig ist um den Beruf ausüben zu können. Und das der Junge noch gar keine Intentionen und Gedanken hatte. Innerhalb weniger Minuten warf ich dieses Denken auch gleich wieder über Bord. Stattdessen konzentrierte mich auf die Worte und Körpersprache vom Kind. Mittagskind – das bedeutet, dass er nach dem Mittag abgeholt wird. Er fragte, ob ich mitspielen würde und zeigte mir zwei Puppen. Und schon war es passiert und ich war in der Materie drin. Zusammen mit den Jungen spielte ich eine Viertelstunde mit Barbies und wir gingen diverse Situationen durch. Vom Spaziergang im Tierpark, bis zum simplen sitzen im Wohnzimmer und TV schauen. Dem Kind war es dabei egal, dass wir zwei Frauen spielten. Zwischendurch sah es in meiner Puppe den Mann, manchmal waren es zwei weibliche Puppen. Die Rollen tauschten ständig. Zum Abschied küssten sich die Puppen oft, egal ob Frau und Frau oder Mann und Frau. Das fand ich zum Beispiel sehr interessant.

Musikstunde für die Kleinen

Die Zeit verging wie im Flug, da kam eine Musiklehrerin, die mit uns ein Programm abgearbeitete hatte. Ich persönlich fand es toll, dass es gemacht wurde. Aber wie mein Wesen nun mal ist, habe ich auf Anhieb Dinge gesehen, die ich anders gemacht hätte. Als auch das vorbei war, ging es ab auf dem Spielplatz. Ich spielte mit ein paar Kindern Fangen. Sie waren die Diebe und ich die Polizei. Gemütlich joggte ich den Kindern hinterher und tat so als würde ich sie fangen wollen. Zum Glück wollten sie regelmäßig Pausen. Und nach 10 Minuten war es dann auch ok und sie wollten sich alleine beschäftigen. Ich saß auf der Bank neben der Chefin und beobachtete weiter fleißig. Sand kann ja so erstklassigen Kuchen ergeben.

Die Zeit war um, die Kinder müde und es ging zurück in die Kita. Zeit für das Mittag. Es gab selbst gemachten Grießbrei mit selbst gemachten Apfelbrei. Sehr lecker. Dann hieß es ab in die Federn. Die Kinder hielten ihren Mittagsschlaf und ich konnte in die Pause. Nach 2 1/2 Stunden kam ich wieder und verbrachte noch zwei Stunden dort. Nach dem Schlaf ging es weiter mit dem Spielen. Relativ schnell wurden schon die ersten Kinder abgeholt. Am Ende waren nur noch drei übrig. Mir ist aufgefallen, dass die Kinder regelmäßig spielen konnten. Dann aber wieder alles aufräumen musste. Dann gab es Pausen für Essen, Äpfel o.Ä. und dann konnten sie weiterspielen. War sehr spannend alles. Ich verbrachte die letzten Minuten mit Spielen. Ich setzte eine Puppe auf ein Pferd. Ein Kind probierte es auch, aber bekam das nicht hin. Vielleicht wusste es instinktiv, dass Babys einfach keine Pferde reiten sollen und können. Pferde gehören frei, hätte ich ihr liebend gerne gesagt.
Dann war die Zeit auch schon wieder um und ich ging zufrieden nach Hause. Das Feedback war gut, meine Erwartungen sind eingetroffen.

Mein Fazit

Die Zusammenarbeit mit Kindern ist richtig toll. Die Arbeit ist keineswegs zu unterschätzen. Es kann sehr stressig sein und ich habe nun den vollsten Respekt für diese Mentale und Körperliche Anspruchsvolle Tätigkeit. Ich würde sofort das Praktikum machen und gegen meinen Job eintauschen. Doch glaube ich nicht, dass ich dafür geeignet bin. Ich mag mit Kindern gut auskommen und finde es spannend, aber mir fehlt es ein wenig an Autorität Kindern gegenüber. Meine Mentalität geht eher in die Richtung „Ein Auge zu drücken“ und das ist nicht wirklich, was Kinder in der Kita brauchen. Soviel Einsicht habe ich bereits über mich erlangt. Dennoch finde ich den Bereich sehr spannend und es hat mir gezeigt, dass die aktuelle Lebenssituation auf keinen Fall zu akzeptieren ist. Ich muss mich beruflich verändern.

Update:
Ich habe es durchgezogen. Derzeit studiere ich an der FH-Potsdam „Erziehung und Bildung in der Kindheit“.

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