Staat vs. Wirtschaft – Lohnt sich ein Studium?

Ich habe mir in den Kopf gesetzt zu studieren. Irgendwas, was mein Helfer-Syndrom nützlich werden lassen kann. Und was mit Menschen zu tun hat. Also schaute ich mich um. Wie kann ich zu der Gesellschaft etwas beitragen? Mir kamen als erstes Studienfächer wie Soziale Arbeit und Soziologie in den Sinn. Ich erkundigte mich denn schließlich muss ich ja wissen, ob der Name dem Inhalt entspricht. Ich fragte mich auch, warum diese Studienfächer so unbeliebt sind. Meine Freunde reagierten alle seltsam, als ich Ihnen schon fast beichtete, dass ich mich für die Studienfächer interessiere.
„Wozu? Studiere doch BWL oder lasse es bleiben.“ Bei den Sprüchen rollte ich nur noch die Augen.

Bei meiner Recherche nach mehr Informationen fand ich kaum anschauliche Quellen. Studienberater und die Webseiten der Unis sind zwar ausführlich, aber oft auch mit sehr viel BlaBla übersät. Es erschien mir seltsam, da ich denke, dass immer mehr Menschen etwas in der Gesellschaft bewirken wollen und sie positiv verändern möchten. Wieso die Unis die Sozialen Medien so spärlich nutzen ist mir ein Rätsel. Derzeit liegt es an der Wirtschaft Soziale Verhältnisse zu verbessern. Wir gründen StartUps oder Organisationen um unseren Beitrag zu leisten mit dem Ziel die Welt positiv zu verändern, nachhaltig zu gestalten und Menschen aus Humanitären Fallen zu befreien. Ein vorkurzem fertig finanziertes Projekt ist sanktionsfrei, dass sich auf der Seite der Hartz4 Empfänger stellt. Das sind eigentlich Aufgaben des Staates. Doch die Wirtschaft übernimmt die Aufgaben. Ich finde das Schade, denn die Wirtschaft; – so toll sie auch sein mag, hat auch seine Schwächen. Große Schwächen. Gerade im Punkt Humanismus vs. Rentabilität. Armen Menschen zu helfen und dabei ein Profit herauszuschlagen ist doch nicht Lösung. Ähnlich verwirrend wie den Regenwald mit Bier zu retten. Selbstlose Hilfe von der Wirtschaft ist nicht zu erwarten. Meiner Meinung nach ist jedoch Selbstlose Hilfe vom Staat zwingend erforderlich. Es widerspricht der Wirtschaft. Wieso bekommen wir es also nicht hin, dass wir die klugen und innovativen Köpfe in die staatlichen Institutionen schaffen und es einfach alles besser zu machen.
Wir wissen es doch besser, oder?

Ich überlege Soziologie zu studieren um mich mit den Hintergründen und empirischen Zahlen der Gesellschaft zu beschäftigen. Doch da fängt es schon an. Der Fachbereich weiß selbst nicht so genau welche Zuständigkeit die Wissenschaft hat. Wie heutzutage üblich nutzte ich YouTube als Recherche Quelle. Schnell kam ich auf aufgezeichnete Vorlesungen einiger Fachhochschulen. Es stand ein Professor vor der Kamera und begann mit seiner sehr monotonen Stimme zu reden. Zu meiner Überraschung verstand ich es thematisch. Aber die Art und Weise, wie er der Stoff vermittelte war schockierend. Nun ich weiß Professoren verdienen nicht viel und daher kann mir die Motivation gut vorstellen. Aber darum geht es nicht mal. Ich komme gut damit klar, dass Themen auch ein mal Ernst und Trocken daher kommen. Für Einige mag es der bevorzugte Weg sein. Es gab jedoch einen Anderen Punkt der mich frustrierte.

Die Wissenschaft der Soziologie beschäftigt sich mit interessanten Themen. Doch habe ich das Gefühl, dass die verfassten Papers und Ratschläge immer wieder auf Taube Ohren stoßen werden. Weil? Na weil die Wirtschaft die Pläne umsetzt und da ist der Gesellschaftliche Mehrwert eher untergeordnet. Sie forschen für sich selbst. Forscher forschen für die Grundlage neuer Forschungen oder für die Wirtschaft.
Das demotivierte mich extrem und ich frage mich wieso so wichtige und interessante Informationen so schlecht bzw. gar nicht vermittelt werden.

Vielleicht trifft das auf viele Wissenschaftliche Bereiche zu. Die Wissenschaft, so scheint es oberflächlich betrachtet, verbringt die Zeit mit vielen Diskussionen. Doch der daraus entstehende Mehrwert ist für die Öffentlichkeit eher gering. Wissenschaftliche Arbeiten können auf so tolle und moderne, anschauliche Weise aufbereitet werden, sodass das Wissen jeder in der Bevölkerung nutzen kann. Filme, Interaktive Webseiten, tolle Texte oder Apps. Aber stattdessen werden die Informationen in drögen PDFs und Stunden langen monotonen Vorträgen gehalten. Es mag hart klingen, aber hier denke ich ist ein Punkt, wieso sich Studieren für viele nicht lohnt.

Viele wollen einfach nur etwas Bewirken. Das geht am schnellsten und unkompliziertesten in der Privatwirtschaft. Sie verdienen sogar mehr. Doch für die Gesellschaft wäre es vermutlich am Besten wenn wir in staatlichen Institutionen und Behörden arbeiten würden. Doch die kreativen und innovativen Köpfe werden von dem unattraktiven und langsamen Staatsapparat abgestoßen. Es scheint es als wären es Gegensätze, die im Grunde beide die gleichen Ziele verfolgen: Eine vermeintlich bessere Welt.

Ich fände es cool, wenn die Arbeit in der Regierung endlich attraktiver gemacht würde. Denn es wartet eine ganze Generation darauf endlich nachhaltig, gesund und humanitär zu leben und zu arbeiten. Doch das Ziel aus der Wirtschaft heraus zu erzielen ist langfristig, meiner Meinung nach, nicht Möglich. Also sollte denjenigen das Tor geöffnet werden, die Gutes im Namen des Staates zu tun wollen. Damit meine ich nicht die Polizei, die es mit ihrem Recht oft übertreiben und wie Kreuzritter durch die Straßen ziehen. Sondern kreative Teams die nach Lösungen innerhalb der Behörde suchen. Wo Armen Leuten geholfen wird, in dem Anträge vereinfacht werden. Hürden abgebaut werden. Inklusion direkt gelebt wird. Das Schulsystem angepasst wird. Lobbyisten gelistet werden bzw. weniger Einfluss bekommen.

Wisst ihr, ich kann es normalerweise überhaupt nicht Leiden, wenn man ein Themengebiet einfach niedermacht und das am Ende stehen lässt. Was in unserer Welt verbesserungswürdig ist, ist die Hoffnung zum Schluss. Aus jedem dekonstruktiven Artikel, sollte noch etwas Positives mitgegeben werden.

Wie können wir die Situation also verbessern? Wie kann jeder dabei helfen, dass der Staat wieder attraktiver wird? Und ist das überhaupt der richtige Ansatz? Wollen wir Behörden unterwandern und langfristig verändern? Ich denke und hoffe die Meisten sagen: ja.

Mir fallen spontan mehrere Ansätze ein. Zum Einen könnten wir die Studiengänge attraktiver gestalten. Wir können unsere hippen Designs und die Kunst für die Aufarbeitung für Wissenschaftliche Arbeiten stecken. Wir können die Wissenschaft von Grunde auf Anzweifeln. Wir könnten unsere Füße in Behörden stellen und dort alles umkrempeln. Zugegeben, dass ist alles ziemlich aufwendig. Darum können wir zu mindestens damit beginnen das öffentlich Thema zu diskutieren. Zukunftsvision: GenerationY übernimmt den Staat. Nun ich beginne mich erst mit dem Thema zu beschäftigen. Ohne die genannten Möglichkeiten zu relativieren, möchte ich auch kein Shitstorm verursachen. Daher würde mich Interessieren, wie ihr das Thema seht. Habt ihr auch mal darüber nachgedacht? Gibt es vielleicht schon Lösungsansätze?
Twittert doch einfach an Eure Ideen oder Feedback an @fuento

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