Leonie – Chillen im Center

Eine Gruppe von Leuten schieben sich durch eine enge Drehtüre. Sie wollen in das
Einkaufszentrum in dem Verkaufsoffener Sonntag ist. Dazwischen steht Leonie (24) und
wartet darauf, dass es vorwärts geht. Kleine Kinder drücken an die Drehtür und
bringen diese jedes Mal zum Stoppen. Nach geduldigen Minuten schaffte es Leonie in das Center.
Im Eingangsbereich gibt es einen großen Platz. In der Mitte ist eine Wasserinstallation, die in regelmäßigen Abständen bunt beleuchtete Wasserfontänen in die Luft schießen.

Die hohe Deckenbeleuchtungen flutet die gläserne Halle mit Licht, welches auf dem polierten Boden reflektiert wird. Durch die Sprechanlage des Gebäudes ertönt eine freundliche Stimme, die ein Schulkonzert ankündigt, welches an jenem Nachmittag aufgeführt werden soll. Sie schaut auf ein großes Werbeplakat. Darauf sieht sie eine große, schlanke Frau, die einen Mann im Anzug an der Krawatte packt. „Get your man!“ steht darunter. Daneben ein Pfeil, der schräg nach oben zeigt. Leonie verfolgt den Pfeil auf dem Plakat mit ihrem Blick und sieht im 1. Stock sehr viele Menschen stehen. Sie stehen vor einem Modegeschäft, dass eine Neueröffnung feiert. Vor dem Eingang sind zahlreiche schwarz und weiße Luftballons befestigt. Sie zieren den dicken schwarzen Rahmen der den Eingang formt. Vor dem Geschäft sieht Leonie zwei junge Mädchen an dem Geländer stehen. Sie fallen ihr auf, da sie beide nahezu identisch gekleidet sind. Sie tragen ein weißes Hemd, darüber eine schwarze Jacke. Sie haben beide schwarze Hosen und dazu weiße Sneaker an. Leonie kratzt sich leicht am Nacken, während sie die Beiden anschaut. Ihr fällt wieder ein, woher sie die Mädchen kannte.

Clara (26) und Patricia (25), sie gingen mit Leonie auf eine Schule. Die Beiden stehen am Geländer gelehnt und schlürfen nach einander ihren Eiscafé. In ihrer Hand halten sie eine große Tüte, aus denen gerade die gekauften Sachen herausquellen. Durch ihre schwarzen Sonnenbrille beobachten sie junge Männer, die an ihnen in regelmäßigen Abständen an dem Geschäft vorbei laufen.
Leonie beobachtet Clara und Patricia eine Weile.
An ihnen läuft ein muskulöser junger Mann vorbei.
Clara kommentiert mit:

Clara
Schau mal. Siehst du den auch?

Clara zeigt auf den Jungen.

Clara
Der ist Süß. Ich kenne den. Der hat mir mal die Tür im KaDeWe geöffnet.

Patricia
Ach was? Einen knackigen Arsch hat er. Aber die Jacke geht gar nicht. Den Typen würde ich nicht ran lassen. Langweiler.

Clara
Mit der Jacke hast du Recht. Ja. Aber der Hintern ist nett.

Unbeirrt lassen sie ihn vorbei gehen. Schmunzelt lässt Leonie ihren Blick los und wendet sich der schmalen langen Rolltreppe zu, die sich neben einer kleinen Bühne befindet. Ein Lehrer dirigiert Schüler auf der Bühne und platziert diese im richtigen Abstand zu einander. Aufgeregt filmen die Eltern, vor der Bühne, das Treiben der Kinder.

Leonie reiht sich, wie ein Zinnsoldat auf der Rolltreppe ein und sieht die Bühne immer und immer kleiner werden. Im 1. Stock angekommen, sieht sie auch schon das Elektrogeschäft, in dem sie hinein möchte. Vor dem Eingang stehen breitgebaute Sicherheitsmänner, die jeden Kunden mit einem misstrauischen Blick abtasten. Unbeirrt und mit zielgerichteten Schritt betritt sie das Geschäft und geht die Gänge entlang.

Geschickt weicht sie dabei entgegen kommenden Leuten aus. Sie läuft auf ein großes, langes Regal zu, in denen gefühlt Hunderte verschiedener Konsolen Spiele standen.
Sie sucht für einen kurzen Moment nach dem Spiel der Begierde, greift danach und geht zielgerichtet zur Kasse und reiht sich ein. Es ist die einzige der sechs Kassen, die geöffnet ist. Hinter ihr ist eine Gruppe von Jungen, die sich über das neueste, auf dem Markt erhältliche Computerspiel unterhält. Vor ihr steht ein älteres Paar, dass im Begriff ist einen Toaster zu reklamieren. Mittendrin in Gedanken versunken steht Leonie, die ihr Spiel mit beiden Händen umklammert. Plötzlich spricht die Verkäuferin Leonie an.

Verkäuferin
Das macht 49,99 Euro.

Leonie reagiert nicht. Stattdessen steht sie fest angewurzelt dort. Die Verkäuferin hakt nach.

Verkäuferin
Hallo? Das macht 49,99 Euro.

Leonie
Entschuldigung Sie bitte. Hier.

Verkäuferin
Möchten Sie den Bon dazu?

Leonie
Bon? Ne, danke.

Schnell riss sie das Spiel an sich und packte es in eine Tüte. Dann bleibt sie vor dem Geschäft stehen und schaut zu dem minimalistisch dekorierten Modegeschäft und überlegt was sie als nächstes tun möchte. Sie beschließt vor dem Gehen die Toilette auf zu suchen. Wieder in Gedanken versunken geht sie in die Richtung. Auf dem Weg hört sie im Hintergrund das angekündigten Schulkonzert. Kinder singen zu aktuellen Chart Liedern.

Sie kommt an dem Modegeschäft vorbei, an denen noch immer Clara und Patricia stehen.
Clara entdeckt Leonie und beobachtet sie aufmerksam. Sie erkennt Leonie. Ihr fällt der leicht verträumte Gang auf.

Clara
Guck mal die.

Patricia
Wer? Die da?

Patricia zeigt mit dem Finger auf Leonie.

Clara
Genau! Die da. Schau mal ihre Klamotten. Die hat sie bestimmt aus dem Müll. Und ihre Haare.

Patricia lacht.

Clara
Und schau mal. Die hat eine Tüte vom Elektrogeschäft. Sollte sich mal lieber anständige Klamotten kaufen.

Patricia lacht weiter. Clara drückt ihrer ohnehin schon beladenen Freundin ihre Tüten in die Hand und geht auf Leonie zu. Leonie, die verträumt zu Boden schaut und nur in den Augenwinkeln ihre Umwelt war nimmt, denkt darüber nach, was sie in dem Spiel erwarten würde. Sie hatte bereits ein Review zu dem Spiel gelesen und malte sich die ersten Schritte in ihrem Kopf aus. Es war ein Fantasy Rollenspiel und sie schlüpft in eine junge Heldin, die den entflohenen Schurken Einheit gebieten muss. Sie schaute ihre Hände an und sah dass sie eine leichte Rüstung trug. In der rechten Hand hielt sie ein Schwert. Sie kam in ein Dorf und der Wirt einer Schenke hielt sie vom Wege aus an. Er erzählte ihr vom verlorenen Sohn und bat sie um Hilfe. Sie nahm den Auftrag an und ging in ein Waffengeschäft. Ein älterer, kerniger Mann sprach sie mit einer Frauenstimme an.

Hey! Was hast du da?

Irritiert über die nicht passend wollende Stimme, wird Leonie aus den Gedanken gerissen und blickt auf.

Ihr Blick tastete langsam von den Sneakern beginnend, den Körper von Clara ab.

Clara fährt fort.

Clara
Gib mal her. Was ist denn in der Tüte?

Clara reißt Leonie die kleine Plastiktüte aus der Hand und greift hinein. Sie holt die Verpackung aus der Tüte und beginnt zu lachen.

Clara
Ist das dein Ernst? Ein Spiel?

Leonie
Hey! Lass das! Gib mir die mein Spiel wieder.

Leonie greift nach der Packung. Doch Clara hält daran fest.

Beide ziehen mit aller Kraft an der Verpackung. Keiner der Beiden mochte nachgeben. Clara schleift Leonie mit der Packung in der Hand über den Boden, als sie diese an sich heranzog.

Patricia lacht und fragt aus dem Hintergrund.
Wie alt bist du? 13?

Leonie
24! Und jetzt gib mir bitte das Spiel zurück.

Clara äfft Leonie nach
Bitte gib mir das Spiel zurück. Nein!

Sie wirft das Spiel zu Patricia. Diese lässt ihre Taschen fallen und fängt das Spiel. Clara und Patricia werfen sich das Spiel hin und her, während Leonie in der
Mitte versucht es zu fangen.

Das ältere Paar, dass zuvor im Elektromarkt den Toaster reklamiert haben, laufen an den Dreien vorbei.
Sie werden darauf aufmerksam und bleiben daneben stehen.
Schweigend schauen sie zu, schütteln den Kopf und laufen dann weiter, ohne zu intervenieren.

Clara
Hol es Dir doch. Spring du Kerl.

Clara wirft die Packung in einem hohen Bogen über Leonie. Leonie setzt zu einem hohen Sprung an. Trotz ihrer gestreckten Arme erreicht sie das Spiel nicht. Bei der Landung rutscht Leonie auf dem Boden aus, landet auf ihrem Po und verletzt
sich am Knöchel. Sie bleibt am Boden sitzen, ihre Beine sind angewinkelt. Sie zieht langsam ihre Socken aus und fasst sich an ihr Fußgelenk.

Stille.

Patricia fängt die Packung und sagt

Hast du Dir weh getan? Schau mal, was ich mit deinem tollen Spiel mache.

Patricia holt Anlauf und wirft das Spiel über das Geländer in das Erdgeschoß.

Ein dumpfes Geräusch ist zu hören, als wäre ein Sack Reis gegen eine Wand geworfen
worden.
Es folgt ein Teppich von Schreien. Stimmen schreien „Oh Nein!“ und „Oh mein Gott.“
Leonie rappelt sich langsam auf. Mit hängenden Kopf stützt sie ihre Hände gegen den Boden und versucht mit aller Kraft auf die Füße zu kommen. Nach einigen Minuten hat sie es geschafft und humpelt zu dem Geländer, von wo sie die Schreie deutet.
Sie lehnt sich herüber und sieht eine Traube von Menschen auf der Bühne stehen.
In der Masse erkennt sie die Füße eines Kindes, dass am Boden liegt. Der restliche Körper wird von den Umstehende verdeckt.
Sie dreht sich ruckartig, von allen Schmerzen befreit zu Patricia und Clara.

Leonie
Was habt ihr getan?

Sie humpelt zur Rolltreppe und geht diese, unter Schmerzen, hinunter. Treppenstufe für Treppenstufe. Dabei klammert sie sich an dem Geländer fest. Unten angekommen sieht sie eine Gruppe auf der Bühne stehen. Aufgeregte Eltern halten geschockt die Augen von ihren Kinder zu. Eine Mann unterhält sich am Telefon mit einer Rettungsstelle und gestikuliert dabei wild mit seinen Armen.
Clara und Patricia laufen nun auch zu dem Geländer und sehen zu wie sich die Gruppe auflöst. Wie dichte Nebelschwaben langsam das Grass am Morgen freigeben. Darunter sehen sie in der Mitte einen kleiner Junge am Boden liegen. Leonie sitzt mittlerweile neben dem Jungen, mit ihr seine Eltern, die weinend über den Körper hängen. Neben ihm liegt ihr Spiel. Sie beugt sich nun auch über ihn und beginnt zu weinen. Die Eltern sind ergriffen von der Teilnahme von Leonie und hinterfragen nicht ihre Anwesenheit. Es herrscht eine bedrückende Stille.
Clara sieht von oben den Jungen, daneben das Spiel, dass sie in dem Moment zuvor noch in den Händen hielt. Sie nimmt langsam ihre Sonnenbrille ab. Ihre Hände zittern.

Clara
Das wollte ich nicht.
flüsterte sie.

Clara und Patricia sitzen umringt von ihren Taschen. Beide sind sehr ruhig und blass im Gesicht.

Einige Minuten vergingen. Plötzlich stürmen Rettungskräfte die Halle und steuern auf die Bühne zu. Vorne dabei der Lehrer, der die Sanitäter an den Unfallort begleitete.
Leonie, die bleich neben den Jungen saß und sich das Gesicht hielt, robbt sich zur Seite. Die aufgelösten Eltern werden von einem Sanitäter bei Seite genommen. Alles geht plötzlich so schnell. Ein Helfer fragte nach, was genau passiert ist.
Er ist auf der Packung ausgerutscht und ist mit dem Kopf gegen diese Vorrichtung geflogen. Die Helfer beugten sich über den Jungen. Sie tasten seinen Körper vorsichtig ab und stabilisieren seinen Körper.

Leonie wird das zu viel. Der ganze Trubel lies sie schwindelig werden. Sie kriecht langsam auf den Rand der Bühne zu, schleppt ihre Beine über den Rand und blickt den spiegelnden Boden an.

Einige Zeit vergeht, bis sie im Hintergrund die Stimme des Jungen vernimmt. Darauf hin ging alles sehr schnell. Die Eltern stürmen auf den Jungen zu. Kevin, schreien sie. Doch ein Sanitäter konnte die Eltern gerade noch rechtzeitig bremsen. Sie haben haben Glück gehabt, beruhigt er die Beiden.

Sanitäter
Er hatte nur kurz das Bewusstsein verloren, aber er wird wieder vollkommen gesund werden.

Leonie die das Geschehen aufmerksam beobachtete fällt ein Stein vom Herzen. Sie blickt hoch zu de Geländer, wo sie Clara und Patrica vermutet. Diese beobachten zeitgleich das Treiben auf der Bühne vom 1. Stock aus. Clara schweißgebadet wurde in der Aufregung schlecht und musste sich übergeben. Patricia hockte noch immer daneben, bleich im Gesicht. Um sie herum standen Jungen, die das Geschehen der Beiden mit einem Handy filmten.

Einer der Jungen sagt
Endlich habe ich neues Material für meinen Channel. Ich nenne es die „Die kotzenden Shopping Queens“ wird sicher ein Hit.

Leonie ist glücklich, dass es den Jungen gut geht. Mittlerweile ist auch die Polizei eingetroffen. Sie befragt gerade Zeugen, als Leonie im Augenwinkel einen Jungen aus sie zu laufen sieht. Er hält ein Spiel in der Hand und überreicht es Leonie.

Junge
Hier. Das ist doch dein Spiel. Das Original wird sicher als Beweisstück gebraucht. Aber ich habe dir das Spiel noch ein mal gekauft.

Leonie
Oh, danke. Ich weiß nicht was ich sagen soll. Es tut mir Leid.

Die Polizei nimmt Clara und Patricia in Gewahrsam. Dokumentiert von vielen Menschen, die das Treiben mit dem Handy aufnehmen.

Leonie hingegen nimmt das Spiel von dem geheimnisvollen Jungen an und geht aufgewühlt nach Hause.

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