Im Gespräch mit Alice Janik Im Gespräch mit Alice Janik

Im Gespräch Mit Alice Janik
Wir haben Frau Janik über das Leben als erfolgreiche Geschäftsführerin ausgefragt

Sie sind seit 2016 Geschäftsführerin der Comparado GmbH, die den Meisten unter Preis.de – dem Online Preisvergleich im Internet ein Begriff ist. Stellen Sie Preis.de doch einmal für die Leute vor, die davon noch nichts gehört haben. Was macht Preis.de einzigartig und besonders?

Preis.de gehört zu Deutschlands führenden Online-Preisvergleichen. Wir verstehen uns als Service, der dabei hilft Zeit und Geld zu sparen. Anstatt Prospekte zu wälzen oder von Website zu Website zu springen, findet der Kunde auf Preis.de alles auf einen Blick. Wenn beispielsweise mein Vater sich eine neue Waschmaschine zulegen will, dann kann er durch Preis.de herausfinden, welches das passende Modell für ihn sein könnte (anhand von Produktdetails, Bewertungen, Testnoten). Hat er die perfekte Maschine gefunden, erhält er eine Übersicht an Händlern, bei denen er die Waschmaschine bestellen kann. Hier kann er Preise und Lieferkonditionen vergleichen. Nicht jedem ist der Preis am wichtigsten.
Wir helfen dabei nicht den Überblick zu verlieren, bei der Fülle aus Angeboten. Unsere Dienstleistung ist im Grunde Convenience.

Wie viele Produkte sind bei Ihnen derzeit gelistet?
In dieser Minute findet man auf Preis.de mehr als 2 Millionen Produkte.

Ihr Werdegang finde ich persönlich sehr interessant und spannend. So haben Sie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg; – Soziologie, Anglistik, Erziehungswissenschaftenstudiert. Wie kam es dazu?

Sprache, Menschen und soziale Systeme fand ich schon immer spannend. Ich habe deshalb zunächst Germanistik, Anglistik und Soziologie studiert. Das Germanistik Studium stellte sich aber als etwas völlig anderes heraus, als ich es erwartet hatte. Daher schmiss ich das Fach nach nur einem Semester und tauschte es gegen noch mehr Lehren über Menschen und ihr Verhalten. Das hat Spaß gemacht und ich habe viel gelernt. Mein anfänglicher Wunsch im Journalismus Fuß zu fassen wurde dadurch schnell abgelöst und Themen wie Erwachsenenbildungen, soziale Arbeit und strukturelle Ungleichheiten nahmen meine Aufmerksamkeit in Beschlag.

Später haben Sie sich Stufe für Stufe in diversen Bereichen bis zur Geschäftsführung hochgearbeitet. Darunter u.a. als Leiterin einer Redaktion, Referentin für Vertrieb & Kommunikation und Business Development Manager. Wie fühlt sich das an und sind Sie schon am Ziel? Was kommt als nächstes? Was sind ihre Ziele?

Wie schon im Studium zieht sich in meinem Werdegang das Bewusstsein durch, dass ich weiß, was ich nicht will. Ich bin nicht angetrieben durch gradlinige Ziele, einen 5-Jahres Plan oder ähnliches. Ich weiß bis heute nicht, wo ich genau hin möchte, aber ich denke auch, dass sich das nicht mehr ändern wird. Denn ich springe gern dort rein, wo ich gebraucht werde und wo ich etwas sinnvolles tun kann. Zudem weiß ich recht schnell, was ich nicht will und bin nicht bereit meine Zeit damit zu verschwenden.
Ich habe sehr gern in den jeweiligen Bereichen gearbeitet, habe auf jeder Stufe viel gelernt und interessante Menschen kennengelernt. Was mich stetig antreibt, ist mein Wissensdurst. Wenn ich das Gefühl habe, nicht mehr dazuzulernen, nichts mehr bewirken zu können, dann muss ich etwas ändern und entweder weitergehen oder einen neuen Weg einschlagen. Stillstand ist keine Option.

Gibt es Kompetenzen, die Sie aus dem Studium genommen haben und nun als Geschäftsführerin anwenden können?

Vermutlich nicht inhaltlich. Ich habe im Verlauf des Studiums aber viel über mich selbst gelernt. Ich weiß beispielsweise, dass ich belastbarer bin, als ich es mir je zutrauen würde. Ich habe keine Probleme mit Zeitdruck, kann mich gut strukturieren und Prioritäten setzen. Ich habe neben dem Studium viel gearbeitet und musste immer gut mit meiner Zeit haushalten. Daher bin ich ein großer Freund von Effizienz und auf den Punkt kommen. Ich werde beispielsweise schnell ungeduldig, wenn Menschen viel reden ohne etwas zu sagen. Zeit ist mein höchstes Gut, deshalb bemühe ich mich sie sehr bewusst zu investieren oder eben auch nicht.

Es gibt das Klischee, dass in dem Business, gerade in höheren Etagen, “viel geredet” wird, “ohne etwas zu sagen”. Wie gehen Sie damit um, wenn Geschäftspartner oder Angestellte in Meetings nicht auf den Punkt kommen? Gibt es Strategien, wie Sie dem entgegen wirken können?

Meiner Meinung nach ist es eine Methode, um sich zu profilieren, sich wichtig zu tun und ggf. sogar Unwissen zu verschleiern.
Meine Strategie sind Fragen. Ich habe keine Angst Fragen zu stellen, wenn es sein muss auch mehrmals die selben, bis ich eine konkrete Antwort erhalte und verstanden habe, worauf es ankommt. Ich unterbreche Leute nur ungern, aber wenn jemand in einen Monolg einsteigt, weil er sich selbst gerne reden hört, dann kann es vorkommen, dass ich mal mit einer Frage dazwischen schnelle um die Aufmerksamkeit wieder zu fokussieren.

Kurt Lewin, ein Pionier der modernen Sozialpsychologie unterscheidet Führungsstile wie folgt: Es gibt die „Autoritäre Führung“, „Demokratische Führung“ und „Laissez-faire-Führung“. Was halten Sie von diesen Konzepten? (Haben Sie eine eigene Definition von Führung?) Wo liegen Ihrer Meinung nach Schwierigkeiten und Chancen in der modernen Führung?

Ich halte nichts von starren Konzepten. Es ist situativ was ein Team braucht und welche Art der Führung jeweils am erfolgsversprechendsten ist. Ich gebe meinem Team viel Freiraum und Vertrauen, dabei fungieren Ehrlichkeit und Offenheit als Basis der Zusammenarbeit. Jeder kann Fehler machen und daraus lernen. Am wichtigsten ist immer, dass Verantwortung übernommen wird – für das eigene Handeln, aber auch darüber hinaus für die Zusammenarbeit und den Unternehmenserfolg.
Die größte Herausforderung liegt meines Erachtens darin, dass Menschen so unterschiedlich sind und so diverse Bedürfnisse haben. Nicht jeder kann mit so viel Freiraum umgehen oder möchte Entscheidungen selbst treffen. Es ist essentiell herauszufinden, wie die optimalen Bedingungen für den Einzelnen aussehen, damit er sein ganzes Potential entfalten kann.

Genug über die Arbeit geredet. Wie schalten Sie am Besten ab? Haben Sie einen freizeitlichen Ausgleich, der Sie von stressigen Zeiten befreit?

Ich kann nicht sonderlich gut abschalten, ehrlich gesagt. Das wichtigste muss geregelt sein, damit ich meine Freizeit genießen kann. Dann verbringe ich sie aber sehr gern mit Freunden und meiner Familie. Ich liebe es zu reisen und Neues zu entdecken.
Im Alltag versuche einen Ausgleich durch handwerkliche Arbeiten zu finden. Im Gegenteil zu meinem Job im Online Business, habe ich nach einer Kochsession, ein paar Stunden Gartenarbeit oder dem Umgestalten meiner Inneneinrichtung, ein konkretes Ergebnis in der Hand und kann damit auch abschließen.

Was bedeutet Glück und Zufriedenheit für Sie?

Jetzt wird es also philosophisch? Glück bedeutet für mich zu lieben und geliebt zu werden. Ich bin ein Familienmensch und würde jeder Zeit alles für meine liebsten Menschen stehen uns liegen lassen, wenn sie mich brauchen. Mein Glück, ist es zu wissen, dass sie das Gleiche für mich tun würden. Ich habe eine Armee aus fantastischen Menschen hinter mir, die mich bei allem unterstützen, mich auf den Boden zurückholen und mich nie alleine lassen.

Zufriedenheit hingegen bedeutet für mich Sinn zu stiften. Ich möchte Sinnhaftes tun, Mehrwerte schaffen und etwas bewirken. Wir sind nicht alleine auf dieser Welt und sind alle verantwortlich für unsere Gesellschaft und Umwelt. Ich bin überzeugt davon, dass jeder seinen Teil dazu beitragen sollte, etwas Gutes zu hinterlassen. Daran arbeite ich noch. Daher bin ich eigentlich immer glücklich, aber selten zufrieden.

Mir gefällt Ihr Mut, Optimismus, und Ihre Courage Gesellschaftliche Themen anzupacken bis Sie zufrieden sind. Und ich glaube, es braucht viele Menschen, die so denken wie Sie, um in eine ausgeglichende Gesellschaft zu leben. Mir scheint, als wäre es ein langer Weg bis dies eintrifft. Tut es zusätzlich auch ein gutes Buch, ein Film oder eine gesunde, liebevolle Beziehung?

Ob Bücher, Filme und Beziehungen zur inneren Zufriedenheit beitragen können? Vermutlich schon. Aber alles Inspirierende, wie ein gutes Buch oder die liebevolle Beziehung erzeugen bei mir meist den Impuls wieder in den Macher-Modus zu wechseln, anstatt mich darauf auszuruhen und zu genießen. Konkret meine ich damit, wenn ich das haben kann, dann muss das auch für andere möglich sein. Wie kann ich es also für andere möglich machen? Und dann bin ich wieder unzufrieden, denn es gibt noch so viel zu tun…

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, was würden Sie sich wünschen?

Ich würde mir wünschen, dass unsere Gesellschaft weniger egoistisch ist. Wenn die Menschen sich weniger um sich selbst und ihren eigenen Nutzen, stattdessen mehr um andere kümmern würden, wäre vieles gerechter, liebevoller und entspannter.

Außerdem würde ich mich mal wieder über ein Konzert der Ärzte im Sommer in der Wuhlheide freuen, mit den Beatsteaks – das wäre perfekt zum Ausgleich vom Arbeitsalltag.

Meinen dritten Wunsch würde ich an Jemanden verschenken, der ihn wirklich braucht. 🙂

Vielen Dank für die Zeit und das Interview! :))

Toni Suárez

Toni Suárez
Autor und Gründer von Fuento

Toni Suárez, im Jahre 1990 in Berlin geboren, veröffentlicht mit „Eine Sammlung kunterbunter Geschichten“ sein Erstlingswerks als E-Book.

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