Die kassettenbox im Gespräch Die kassettenbox im Gespräch

Die kassettenbox im Gespräch
Wir haben kassettebox über Hörspiele ausgefragt

Hörspiele sind ein Phänomen. Ich glaube jeder kennt mindestens ein Hörspiel aus der Kindheit. Bibi Blocksberg, Benjamin Blümchen, TKKG, die Drei Fragezeichen und viele mehr. Doch Hörspiele sind eben nicht nur ausschließlich für Kinder gedacht. Es gibt auch viele Jugendliche und Erwachsene, die noch immer mit Begeisterung Hörspiele hören. Ein Blog, der sich mit Hörspielen auseinandersetzt, ist kassettenbox. Wir haben Laura und Dominique von kassettenbox ein paar Fragen über das Thema Hörspiele allgemein, aber auch über ihr Blog kassettenbox gestellt.

Hallo Laura und Dominique, stellt Euch und Euer Projekt „kassettenbox“ doch mal vor.
Wir beide haben uns ganz gut über Deutschland verteilt, denn Laura lebt in Düsseldorf und Dominique ist vor einiger Zeit von Berlin nach Dresden gezogen. In inniger Fernfreundschaft seit der Kindheit verbunden, kam 2015 die Idee auf, ein gemeinsames Blog zu gründen. Das Thema war schnell gefunden: Hörspiele!

Ihr beschäftigt euch seit eurer Jugend mit Hörspielen, da muss die Sammlung doch enorm sein. Wie viele Hörspiele habt ihr denn?
Nachgezählt haben wir tatsächlich noch nicht. Was uns hier aber besonders wichtig ist: Die drei ???-Sammlung mit Kassetten muss vollständig sein. Ansonsten sind wir bei vielen Hörspielen tatsächlich auch ins digitale Zeitalter eingestiegen. Manchmal ist weniger doch mehr.

Was war euer erstes Hörspiel und welche Erinnerungen verbindet ihr damit?
Konkret – also an eine bestimmte Folge – können wir uns nicht erinnern. Aber TKKG und Die drei ??? waren ganz hoch im Kurs. Als Kind war aber natürlich auch Benjamin Blümchen oder Bibi Blocksberg ein Muss.

Wie seid ihr darauf gekommen, Hörspiele zu sammeln?
Das Sammeln liegt eigentlich nicht so sehr in unserem Fokus, vielmehr das Hören an sich. Die drei ??? haben einen hohen Nostalgiefaktor bei uns, weshalb wir hier tatsächlich sammeln. Das ist quasi historisch gewachsen. 🙂

Was fasziniert euch so sehr an Hörspielen?
Uns beeindruckt einfach das gesprochene Wort in all seinen Facetten. Hörspiele bewirken Kino im Kopf. Wie eine gute Netflix-Serie. Fehlt nur noch das Popcorn. 🙂

Woher bekommt ihr all die Hörspiele? Kooperiert ihr mit den Labels?
Meistens ist es so, dass wir gezielt auf die Labels zugehen und Rezensionsexemplare erhalten (das markieren wir auch entsprechend in unseren Beiträgen). Oft kaufen wir die Hörspiele aber auch selbst oder nutzen Abos auf verschiedenen Plattformen, worüber wir die Hörspiele hören können. Feste Kooperationen mit Labels haben wir nicht.

Gibt es Kriterien nach dem ihr eure Hörspiele sammelt oder reviewed?
Wir hören alles, was uns auf die Ohren kommt! Aber: Grusel-Trash ist nicht so ganz unser Metier.

In meiner Kindheit war es ein Glaubenskrieg: Drei ???, TKKG oder Fünf Freunde. Habt ihr das auch so erlebt? Welches der drei Hörspiele sagt euch denn am ehesten zu und warum?
Für uns sind Die drei ??? das A und O. Früher haben wir auch TKKG gehört, aber das war mehr so die „Einstiegsdroge“. Fünf Freunde waren bei uns irgendwie nie so vertreten.

Mein erstes ernsteres und düsteres Hörspiel war neben „Gänsehaut“ vor allem „Jack the Ripper“ von Frank Gustavus. Ich saß gebannt vor dem CD-Spieler und bin richtig in die Welt eingetaucht. Heute würde ich es als Magic-Moment bezeichnen. Habt ihr ähnliche Momente mit Hörspiele gesammelt? Falls ja, welche?
Haben wir! Zuletzt mit „Monster 1983“ von Ivar Leon Menger. Die Szenen mit Amy und dem Monster sind echt gruselig.

Ihr sammelt auch Hörspiele fernab des Mainstreams; soweit ich es auf Eurem Blog sehen konnte. Wie und wo findet ihr solche Hörspiele und könnt ihr uns eine Perle empfehlen, die Otto-Normal niemals finden würde?
Wir befinden uns doch alle irgendwie in dieser Hörspielblase, da liest und hört man viel und schwupps hast du den nächsten Hit auf den Ohren. So passiert mit „Die Weisse Lilie“.

Wart ihr einmal an einer Produktion von einem Hörspiel beteiligt? Falls ja, wie war das für Euch.
Leider hatten wir noch nicht die Ehre. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt! 😉 Dafür konnten wir in der Vergangenheit schon bei Live-Veranstaltungen dabei sein und ein Backstage-Interview mit bekannten Sprechern führen.

Könntet ihr euch vorstellen, selbst Hörspiele zu produzieren? Falls ja, welche Synchronsprecher könntet ihr euch vorstellen, die bei der Produktion mitmachen sollten?
Wir sagen niemals nie. Wieso nicht? Wenn uns die entsprechende Technik vorliegen würde, könnten wir uns das durchaus vorstellen. Wenn wir die Wahl hätten… David Nathan, Dietmar Wunder und Sascha Rotermund. An der Frauenfront hätten wir gern Claudia Urbschat-Mingues, Sarah Kuttner und Luisa Wietzorek. Und natürlich uns. 😉

Als Kind habe ich, neben Bibi und Benjamin, viele Hörspiele von EUROPA gehört. Ali Baba und andere Märchen und Geschichten. Mir gefällt die großartige, raue und tiefe Stimme von Hans Paetsch. Habt ihr Lieblingssprecher von damals oder/und von heute?
Ganz klassisch gefällt mir (Laura) nach wie vor Jens Wawrczeck außerordentlich gut! David Nathan und Dietmar Wunder liefern auch beeindruckende Performances hinter dem Mikrofon ab.

In meiner Kindheit hatte ich (Dominique) keine gezielten Lieblingssprecher. Heute höre ich gern denjenigen zu, mit denen wir ein Hörspiel aufsetzen würden. 😉

Empfindet ihr heutig produzierte Hörspiele anders als in eurer Jugend?
Falls ja, woran kann das eurer Meinung nach liegen?

Nein, wir sind doch immer noch jugendlich ;). Möglicherweise haben wir im Laufe der Zeit ein kritischeres Ohr bekommen. Wir hören genauer hin und sind ggf. auch anspruchsvoller geworden.

Lest ihr Bücher und Comics genauso leidenschaftlich, wie ihr Hörspiele hört?
Und welches Buch oder Comic sollte eurer Meinung nach als Hörspiel adoptiert werden.

Ich (Laura) lese gerne Graphic Novels. Leider fehlt mir manchmal die Muße und die Ruhe. Auch kann man sie schlecht mitnehmen. Graphic Novels sind – im Gegensatz zu Hörsielen – nicht so gut zum Mitnehmen geeignet. Ans Herz legen möchte ich tatsächlich ein spanisches und ein französisches Comic: Einmal „Kopf in den Wolken“ (Original: „Arrugas“) von Paco Roca und „Der Alltägliche Kampf“ (Original: „Le combat ordinaire“) von Manu Larcenet.

Neben Hörspielen liebe ich (Dominique) es in die Welt der Literatur abzutauchen. Auch hier kann man einfach in eine Parallelwelt verschwinden und so viel Neues entdecken. Als Hörspiel könnte ich mir tatsächlich gut „Super, und dir?“ von Kathrin Weßling vorstellen. Ein Buch, das sehr gut in unsere Zeit passt, weil es zeigt, was mit jungen Menschen passiert, wenn sie am gesellschaftlichen Druck zugrunde gehen. Eine Graphic Novel, die mir sehr gut gefallen hat, war „Die zwei Leben des Balduin“ (Original: „Les deux vies de Baudouin“) von Fabien Toulmé.

Hörspiele sind heute nach wie vor populär. Würdet ihr dieser Aussage zustimmen? Wie schätzt ihr denn den Hörspiel Markt ein?
Für viele sind Hörspiele nur etwas für Kinder. Hörspiele mögen populär sein, aber viele Hörspiele, die es eigentlich verdient hätten, erreichen die Leute gar nicht, weil sie eben nicht in dieser „Hörspielblase“ stecken – so wie wir. Das ist schade und wollen wir eben auch mit der kassettenbox ändern. Das Hörspiel für Erwachsene braucht unserer Meinung nach sehr viel mehr Aufmerksamkeit.

Wo seht ihr euren Blog in 10 Jahren?
Wir denken da eher in kleineren Zeitabschnitten. Wenn es uns in einem Jahr noch gibt und wir mit demselben Elan weitermachen können, mit dem wir zurzeit dabei sind, können wir uns schon sehr glücklich schätzen! 🙂

Gibt es etwas, was ihr unbedingt jedem Hörspiel-Fan sagen würdet und ich nicht gefragt habe?
Spread the word! Hört so viele Hörspiele wie möglich und gebt eurer Familie und euren Freunden Hörtipps. Viele wissen gar nicht, was ihnen entgeht. Hörspiele sind für jedermann und jederfrau – nicht nur für Kinder. 😉

Vielen Dank für das Interview. :))

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